Schule, Musikunterricht, Sport, Verabredungen: In vielen Familien ist jeder Nachmittag verplant. Dabei brauchen Kinder auch Zeit, in der nichts geplant ist. Langeweile klingt zuerst unangenehm, ist aber oft der Anfang von guten Ideen, eigenen Spielen und ruhigen Momenten.
Lücken bewusst einplanen
Schauen Sie gemeinsam in den Wochenplan und suchen Sie Nachmittage, die frei bleiben können. Streichen Sie sie im Familienkalender nicht mit neuen Terminen zu, sondern behandeln Sie sie wie einen festen Termin. Schon ein freier Nachmittag pro Woche macht einen spürbaren Unterschied. Auch kurze Lücken zwischen zwei Terminen zählen, wenn das Kind sie zum Trödeln nutzen darf.
Wenn das Kind klagt, ihm sei langweilig, muss man nicht sofort eingreifen. Ein Satz wie «Das darf auch mal sein» genügt oft. Nach kurzer Zeit beginnen viele Kinder, selbst etwas zu erfinden: eine Höhle bauen, malen, mit Spielsachen eine Geschichte erzählen oder nach draussen gehen. Diese selbst gefundenen Beschäftigungen sind meist die, an die sich Kinder später erinnern.
Hilfreich ist eine Kiste mit einfachem Material: Papier, Stifte, Klebeband, Kartons und alte Kleider zum Verkleiden. Sie steht bereit für Momente, in denen die Ideen ausgehen, und muss nicht ständig neu aufgefüllt werden. Bildschirme können an diesen Nachmittagen ruhig aus bleiben, nicht als Strafe, sondern weil Kinder ohne sie oft erfinderischer werden.
Auch Eltern dürfen sich Lücken gönnen. Wer selbst nicht ständig unterwegs ist, wirkt entspannter, und das Kind erlebt, dass Ruhe etwas Normales ist. Ein Spaziergang ohne Ziel, ein Nachmittag im Park oder ein gemeinsames Spiel ohne Zeitdruck tut allen gut. So wird die volle Woche mit Ausgleich getragen, und der Alltag wirkt weniger gehetzt.
Wenn ein Kind gar nicht weiss, was es mit freier Zeit anfangen soll, darf man ihm Ideen anbieten, ohne sie vorzugeben. Fragen Sie, worauf es Lust hätte, und lassen Sie es wählen. Mit der Zeit lernt es, seine freie Zeit selbst zu gestalten, und die Lücken in der Woche werden zu den Momenten, auf die es sich am meisten freut.